25.03.2014

Lesen_Version 2.014 „Warum net schreiben wia ma redt?“

Vortrag im Rahmen des Jahresschwerpunkts "Lesen"


Am 6. März 2014 fand der Vortrag „Warum net schreiben wia ma redt?“ von Ass.-Prof. Mag. Dr. Rudolf Muhr im Rahmen des Jahresschwerpunkts „Lesen“ in der Aula der Pädagogischen Hochschule Steiermark statt.

Dr. Rudolf Muhr (Treffpunkt sprachen – Zentrum für Sprache, Plurilingualismus und Fachdidaktik Universität Graz), Gründer der Forschungsstelle Österreichisches Deutsch und Initiator des Wortes und Unwortes des Jahres, bot in seinem Vortrag interessante Einblicke über die Rolle des Österreichischen in der Schule.

Als Ausgangspunkt präsentierte Dr. Muhr Ergebnisse aus der PIRLS Studie (Progress in International Reading Literacy Study), ein Lesetest in der 4. Klasse Volksschule, bei dem die österreichischen Schülerinnen und Schüler wie folgt abschnitten: nur 5% der österreichischen Schülerinnen und Schüler befinden sich in der leistungsstarken Gruppe, der Durchschnitt in den Vergleichsländern liegt bei 11% und 20% der österreichischen Kinder gelten als leseschwach.

 

          Weiters analysierte Dr. Muhr in der PISA Studie 2012 verwendete Leseaufgaben und erläuterte die teilweise hohe Komplexität der dabei verwendeten Texte (Sätze mit Überlänge, hohe Anzahl an Nebensätzen, Wortschatzanalyse).   Welche Sprache soll nun in der Schule gelernt werden? In österreichischen Unterrichtsstunden erfolgt der Input meist im normalen österreichischen Deutsch (Nähesprache). Diese Tatsache demonstrierte Dr. Muhr durch zahlreiche Audiobeispiele aus verschiedenen Unterrichtssequenzen. Lediglich fachliche Aspekte des Stoffes werden in der Standardsprache (Distanzsprache) kommuniziert. In der Schule wird ständig zwischen diesen beiden Varietäten gewechselt. Laut Dr. Muhr gibt es also zwei Sprachen in Österreich: "Was wir normal reden und was wir reden sollen". Dialekte werden in Österreich massiv abgewertet und gelten als sozial niedrig bzw. als „schlechte Sprache“. Dominant ist die Schriftsprache (=Standardsprache). Der Erwerb dieser gleicht dem Erwerb einer Zweitsprache. Im Anschluss an den Vortrag wurden in einer Diskussionsrunde noch viele Fragen (meist im Dialekt!) an Dr. Muhr gestellt.  


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