Presseaussendungen

23.07.2019

Drei erfolgreiche Frauen führen die PH Steiermark

Seit 2017 bestimmt ein weibliches Führungs-Trio die Geschicke der Pädagogischen Hochschule Steiermark


Was auf die neue Bundesregierung zu 50 % zutrifft, wird an der Pädagogischen Hochschule Steiermark bereits zu 100 % umgesetzt: Frauenpower in der Führungsetage. Rektorin Prof.in Mag.a Dr.in Elgrid Messner, Vizerektorin HS-Prof.in Mag.a Dr.in Regina Weitlaner und Vizerektorin ao. Univ.-Prof.in Mag.a Dr.in Beatrix Karl beweisen seit zwei Jahren, dass weibliche Führungskraft auch im Hochschulbereich für Erfolge sorgt.

Elgrid Messner: Erfolgreich bei der Umsetzung der "PädagogInnenbildung NEU"

Schon seit 2012 steht Prof.in Mag.a Dr.in Elgrid Messner der Pädagogischen Hochschule Steiermark als Rektorin vor. In dieser Zeit wurde die Ausbildung angehender Lehrerinnen und Lehrer zur Gänze reformiert. Der Anspruch, die "PädagogInnenbildung NEU" auf den Weg zu bringen, war für die gebürtige Burgenländerin auch das zentrale Motiv dafür, sich für das Rektorat zu bewerben: "Ich habe immer die Ansicht vertreten, dass alle Kinder – egal welcher Altersstufe und welcher Herkunft – von fachlich und pädagogisch gleich gut ausgebildeten Lehrerinnen und Lehrern unterricht werden sollen." Mit der "PädagogInnenbildung NEU" absolvieren nun alle Lehrerinnen und Lehrer ein vollwertiges akademisches Studium mit Bachelor und Master.

Der Start der neuen Ausbildung gelang im Entwicklungsverbund Süd-Ost, dem die PH Steiermark angehört, bereits 2015/16 – ein Jahr vor den anderen Regionen Österreichs. Messner: "Ich habe von Anfang an auf gute Zusammenarbeit im Verbund gesetzt – und das hat sich bezahlt gemacht. Wir kooperieren mit der Universität Graz, der Kunstuniversität Graz, der TU Graz, der Universität Klagenfurt, der KPH Graz und den Pädagogischen Hochschulen in Kärnten und im Burgenland nach wie vor hervorragend". Der frühe Start beim Bachelorstudium und die gute Kooperation der beteiligten Institutionen bringt es mit sich, dass im kommenden Wintersemester 2019/20 auch schon der erste Jahrgang mit den neuen Masterstudien beginnen kann – natürlich auch als erster in ganz Österreich.

Parallel zur Umsetzung der Studienreform hat Messner auch die Hochschule nach den Erfordernissen des sogenannten Professionalisierungskontinuums "umgekrempelt": Das bedeutet, dass Aus-, Fort- und Weiterbildung für die verschiedenen Lehrämter – Primarstufe, Sekundarstufe und Berufsbildung – unter jeweils einem Instituts"dach" vereint wurden. So kommen zum Beispiel neueste Erkenntnisse der Bildungsforschung rasch in den Schulen an, weil nicht nur die Studierenden in der Ausbildung, sondern auch schon im Dienst stehende Pädagoginnen und Pädagogen in der Fortbildung davon erfahren."

Die neue Ausbildung kommt extrem gut an, weiß Messner zu berichten: "Seit Beginn der neuen Lehramtsstudien haben sich die Studierendenzahlen der PHSt von 1500 auf 3000 verdoppelt. In der Primarstufe bewerben sich jährlich noch immer mehr Studierende als wir Studienplätze haben und müssen die Bewerberinnen und Bewerber nach den Ergebnissen der Aufnahmetests reihen – so kommen nur die Bestgeeigneten zum Zug."

Elgrid Messner
studierte an der Universität Graz und in Oxford Lehramt Deutsch und Englisch, war zunächst Universitätsassistentin und unterrichtete danach zwölf Jahre an einem allgemeinbildenden und einem berufsbildenden Gymnasium sowie schließlich an einer Neuen Mittelschule. Daneben begann sie an Universitäten zu lehren, bildete sich zur Organisationsberaterin und Supervisorin fort und promovierte schließlich als Erziehungswissenschaftlerin. Sie war als Koordinatorin des Schulverbundes Graz West und als Bildungsforscherin tätig – u. a. führte sie das Forschungsprojekt "Fördernde und hemmende Bedingungen für Innovationen an Schulen" in der Steiermark und Kärnten durch. Von 2007 bis 2012 leitete sie das Institut für Forschung, Wissenstransfer und Innovation an der PH Steiermark.

Regina Weitlaner: Qualitätssicherung für Studium und Lehre

Bereits seit der Hochschulwerdung 2007 bekleidet HS-Prof.in Mag.a Dr.in Regina Weitlaner die Funktion der Vizerektorin für Studium und Lehre; 2017 wurde sie zum zweiten Mal in dieser Funktion wiederbestellt.

Neben der Organisation und der Qualitätssicherung der Bachelor- und der eben gestarteten Masterstudien ist die Vizerektorin derzeit vor allem mit der Umsetzung eines Paradigmenwechsels in der Fort- und Weiterbildung ausgelastet. Weitlaner erklärt: "Wirksamer als kurze Seminare für eine bunt zusammengewürfelte Lehrer/innenschar aus verschiedenen Schulorten sind längerdauernde Lehrveranstaltungen und auch Lehrveranstaltungsreihen, die sich an alle Lehrerinnen und Lehrer eines bestimmten Faches in einer Schule oder an ganze Kollegien wenden oder die schulartenübergreifend für einen Standort konzipiert sind. Auch die Zahl der Fortbildungen, die von Schulleitungen aufgrund eines konkreten Bedarfs abgerufen werden, nimmt ständig zu."

Im Unterschied zur Fortbildung, die bestehende Kompetenzen up to date hält, verfolgt die Weiterbildung an der Hochschule das Ziel, die Studierenden für neue Funktionen und Ämter zu qualifizieren. Auch hier ist eine deutliche Zunahme des Angebots zu verzeichnen, derzeit umfasst es 63 Hochschullehrgänge.

Regina Weitlaner
ist ausgebildete Volksschul-, Religions- und Sonderschullehrerin und promovierte Erziehungswissenschaftlerin. Sie hat darüber hinaus Zusatzqualifikationen in den Bereichen Suggestopädie, Sozialpädagogik, Mediation, Projektmanagement an Schulen und Hochschul- und Wissensmanagement erworben. Nach mehrjähriger beruflicher Praxis als Volksschullehrerin begann sie ihre Lehrtätigkeit an der Pädagogischen Akademie des Bundes im erziehungs- und bildungswissenschaftlichen Bereich. Sie ist Gründungsvizerektorin der PH Steiermark und wurde in dieser Funktion 2007, 2012 und 2017 weiterbestellt.

Beatrix Karl: Neue Initiativen in der Forschung

Ebenfalls 2017 wurde die ehemalige Wissenschafts- und Justizministerin ao. Univ.-Prof.in Mag.a Dr.in Beatrix Karl zur Vizerektorin für Forschung und Entwicklung bestellt. Diesem Bereich kommt besondere Bedeutung zu, da ja die Lehre der Hochschule wissenschaftsbasiert und daher unmittelbar mit der Forschung verbunden ist. Karl: "Die Zahl der Forschungsprojekte beläuft sich seit Gründung der PH Steiermark auf insgesamt 163 Forschungsprojekte; das ist eine beeindruckende Zahl und ist unter anderem auf dei Unterstützung der forschenden Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zurückzuführen. In den beiden letzten Jahren investierten wir auch mehr Sachmittel und gründeten ein Zentrum für Forschungssupport. Erfreulich ist auch, dass unsere Forscherinnen und Forscher nun immer mehr Drittmittel einwerben." Darüber hinaus wurden mehrere Forschungszentren eingerichtet, das KiJuLit – Zentrum für fachdidaktische Forschung in der Forschung und Didaktik in der Kinder- und Jugendliteratur, das NATech – Zentrum für fachdidaktische Forschung der naturwissenschaftlich-technischen Bildung und ErGeP – Zentrum für Ernährungs- und Gesundheitspädagogik. In Vorbereitung befindet sich das forschungszentrum für inklusive Bildung, das die PH Steiermark gemeinsam mit der Universität Graz und der KPH Graz einrichten wird.

Eine herausragende Rolle als Forschungseinrichtungen werden die Pädagogischen Hochschulen aber, davon ist Karl überzeugt, auf lange Sicht nur dann spielen können, "wenn sie mehr Autonomie erhalten und als handlungsfähige Wissenschaftsunternehmen agieren können, welche die Aufträge der Bildungspolitik unter Zugrundelegung der eigenen wissenschaftlichen Expertise erfüllen."

Beatrix Karl
ist habilitierte Juristin und außerordentliche Universitätsprofessorin für Arbeits-, Sozial- und Europarecht am Institut für Arbeits- und Sozialrecht der KFU Graz. Sie war Mitglied im "European Committee of Social Rights" des Europarats, Mitglied des Hochschulrates der Pädagogischen Hochschule Graz, Abgeordnete zum Nationalrat und Sprecherin für Wissenschaft und Forschung der Österreichischen Volkspartei, Bundesministerin für Wissenschaft und Forschung und Bundesministerin für Justiz.

Große Pläne für die nächsten Jahre

Die aktuelle Funktionsperiode des Rektoratsteams dauert noch drei Jahre – bis September 2022. In dieser verbleibenden Zeitspanne wird das Powerfrauen-Führungstrio neben der Sicherung der Qualität der neuen Bachelor- und Masterstudien durch entsprechende Evaluierungen und Anpassungen der Curricula vor allem eine Aufgaben haben: "Wir müssen das Raum- und Lehrangebot wegen der erfreulich steigenden Studierendenzahlen deutlich erweitern", sagt Rektorin Messner.

Einige Ausbauprojekte wurden schon in Angriff genommen, z. B. die Einrichtung von "Praxiswerkstätten" für die Studierenden (wie zum Beispiel eines Radio- und Fernsehstudios und einer neuen Mathematikdidaktikwerkstatt), digitale Erweiterungen für die Seminarräume, eine neue IT-Ausstattung für die Fernlehre, die weiter ausgebaut werden soll, die Einrichtung von Videokonferenzräumen und eines Digital Learning Lab an der NMS St. Leonhard (mit Unterstützung durch die Stadt Graz) sowie die Modernisierung des Restaurants für die Ernährungspädagogik.

"Wir brauchen aber weitaus mehr Lehrsäle und -werkstätten, als wir derzeit zur Verfügung haben", betont Messner. Konkret geht es um den Ausbau des Dachbodens des 110 Jahre alten Gebäudes am Hasnerplatz, wo eine Fläche von 1800 m2 zur Verfügung steht, und um die Anmietung von Werkstätten für die Studierenden der Fächer Werken und BE in einem externen Gebäude. Bildnerische Erziehung ist übrigens das 29. und einstweilen "letzte" Sekundarstufenfach, das ab 2020/21 von der PHSt gemeinsam mit der Uni Graz und der Kunstuni angeboten wird.

"Mit der Erhöhung der Studierendenzahlen muss aber neben der Vergrößerung des Raumangebotes auch eine Erhöhung der Planstellen für Lehrende einhergehen", fordert Messner. "Das Betreuungsverhältnis darf sich nicht verschlechtern, wenn die Qualität der Ausbildung erhalten bleiben soll." Das ist natürlich – ebenso wie die Realisierung der Ausbaupläne – eine Frage der Finanzierung. "Ich hoffe aber, dass sich die kommende Regierung, wie immer sie auch aussehen mag, unseren guten Argumenten nicht verschließen wird", gibt sich die Rektorin optimistisch.