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Presseaussendungen

11.03.2022

Einblick in die Lebenswelten junger Steirer*innen

Studie „Lebenswelten_St“


Die steirischen Pädagogischen Hochschulen veröffentlichen die Jugendstudie „Lebenswelten_St“. 1800 repräsentativ ausgewählte Jugendliche aus der Steiermark wurden zu ihrer Lebenssituation sowie zu gesellschaftlich relevanten Haltungen und Einstellungen befragt.

Studie „Lebenswelten_St“
Im Vorjahr haben die österreichischen Pädagogischen Hochschulen eine gemeinsame Studie veröffentlicht, für die Jugendliche aus ganz Österreich im Alter von 14 bis 16 Jahren in einer repräsentativen Auswahl befragt wurden. Die thematische Bandbreite reichte vom Lebensgefühl und der Gesundheit über die Freizeitgestaltung und die beruflichen Erwartungen bis hin zu Religion und Politik. Die Pädagogische Hochschule Steiermark und die Private Pädagogische Hochschule Augustinum haben in der Folge bundeslandspezifische Ergebnisse ausgewertet, dargestellt und eingeordnet. Dadurch ist ein datenbasierter Einblick in die konkreten Ausprägungen jugendlicher Lebenswelten in der Steiermark möglich geworden. Die Arbeit liegt jetzt in Buchform vor. Herausgegeben hat diese Publikation das Land Steiermark. Im Folgenden einige Einblicke in die Lebenswelten steirischer Jugendlicher. 

Bildung und Schule
Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass Jugendlichen die formale Bildung im Kontext Schule wichtig ist. Auch die Zufriedenheit mit der Schule und den Lehrpersonen fällt hoch aus, insbesondere in den Mittelschulen, den Polytechnischen Lehrgängen und den Berufsschulen. Auffallend ist, dass doppelt so viele junge Frauen (27%) wie junge Männer (14%) sich ein Studium als Ziel setzen. Nach wie vor ist die Bildungsbiografie der Eltern ein wesentliches Kriterium für das Bildungsziel der Jugendlichen. Wenn Eltern über einen Universitäts- oder Hochschulabschluss verfügen, streben deren Kinder mit einer mehr als viermal höheren Wahrscheinlichkeit ein Studium an als Jugendliche, deren Eltern einen Pflichtschulabschluss haben. 

Arbeit und Karriere
Die Generation Z in der Steiermark strebt nach einem sicheren Arbeitsplatz und einer gelingenden Work-Life-Balance. Die berufsbezogenen Erwartungen werden kaum durch den sozioökonomischen Status beeinflusst. Auffallend ist allerdings, dass männliche Jugendliche mehr Wert auf ein hohes Einkommen und gute Aufstiegsmöglichkeiten legen als weibliche oder sich geschlechtlich divers identifizierende Jugendliche.

Politik und Mitbestimmung
Der Anteil der Jugendlichen, die mit der Demokratie in Österreich sehr oder ziemlich zufrieden sind, ist mit 73% relativ stark ausgeprägt. Jugendliche sehen allerdings wenig Möglichkeiten, sich selbst aktiv und direkt zu beteiligen. 30% der Jugendlichen können nicht einschätzen, ob und welche Mitbestimmungsmöglichkeiten sie haben. Nur 4% sagen, sie hätten sehr viele oder viele Mitbestimmungsmöglichkeiten. Das Defizit an Mitbestimmung ist nach Einschätzung der Jugendlichen in der Schule sowie besonders in den Gemeinden und der Politik groß. 

Fokus in der Auswertung
In der Auswertung der Daten haben die Studienautor*innen besonderes Augenmerk daraufgelegt, in welchen Bereichen die Aussagen von männlichen und weiblichen Jugendlichen ähnlich sind bzw. sich voneinander unterscheiden. Außerdem wurden die Unterschiede zwischen den Schüler*innen verschiedener Schultypen untersucht. Die Auswertung konzentrierte sich auch auf die Frage, ob die familiäre Situation die Empfindungen der Jugendlichen beeinflusst. Berücksichtigt wurden dabei der Bildungshintergrund, der sozioökonomische Status, das Herkunftsland und die Wohnregion.

Studienautorin Renate Straßegger-Einfalt, Private Pädagogische Hochschule Augustinum: „Ein zentrales Ergebnis bezüglich der Wertorientierungen steirischer Jugendlicher ist die hohe Bedeutsamkeit harmonischer sozialer Beziehungen, guter Ausbildung, eigenverantwortlichen Handelns und des Lebensgenusses. Das Geschlecht und das Herkunftsland der Familie haben dabei einen Einfluss auf die Ausprägung der Wertorientierungen.“

Studienautor Martin Auferbauer, Pädagogische Hochschule Steiermark: „Generell zeigt sich, dass steirische Jugendliche von einer grundsätzlich guten Lebenssituation berichten. Die Herausforderungen des Jugendalters – etwa in Bezug auf Bildung, Beruf und Mitbestimmung – stellen sich allen Jugendlichen ähnlich. Wie gut diese Herausforderungen bearbeitet werden können bzw. auch wie sie ihre gesundheitliche Situation beschreiben, hängt vielfach von Aspekten ab, die sich die Jugendlichen nicht aussuchen können: etwa vom Geschlecht und dem sozioökonomischen Hintergrund.“

Jugendlandesrätin Juliane Bogner-Strauß: „Die Einstellungen und Werthaltungen steirischer Jugendlicher interessieren nicht nur jene, die mit Gesellschaft, Bildung, Gesundheit, Migration oder Politik zu tun haben. „Lebenswelten_St“ liefert uns wissenschaftlich fundierte Daten über Zukunftserwartungen, Gesundheit, Bildung und Partizipationsmöglichkeiten.“

Der weitere Weg der Studienergebnisse
Die Analyse der erhobenen Daten fließt in weitere wissenschaftliche Publikationen ein sowie in die Aus-, Fort- und Weiterbildung von Pädagog*innen. Die Kooperation aller österreichischen Pädagogischen Hochschulen soll zudem sicherstellen, dass die Befragung künftig in mehrjährigen Intervallen durchgeführt wird und damit auch Veränderungen und Entwicklungen der Lebenswelten Jugendlicher sichtbar gemacht werden. 

Literaturhinweis:
Land Steiermark - A6 Bildung und Gesellschaft: FA Gesellschaft - Referat Jugend (Hrsg). Lebenswelten_St. Lebenssituation und Werthaltungen junger Menschen in der Steiermark 2020. Graz: Verlag für Jugendarbeit und Jugendpolitik.
Download: www.jugendreferat.steiermark.at/cms/dokumente/12861206_168073207/a3c319db/Lebenswelten2021_Buch_WEB.pdf

Pädagogische Hochschule Steiermark, Hasnerplatz 12, 8010 Graz,
Tel.: +43 316 8067-0
E-Mail: office@phst.at
Website: www.phst.at

Private Pädagogische Hochschule Augustinum, Lange Gasse 2 OG 3, 8010 Graz
Tel.: +43 316 58 60 70-22
E-Mail: office@pph-augustinum.at
Website: www.pph-augustinum.at