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5. Grazer Grundschulkongress 2026

B³: Beobachten – Beurteilen – Befähigen

Kinderchor der PVS

Fotos: PHSt/ Philip Rauter

09. Juli 2026 – Der fünfte Grazer Grundschulkongress wurde am 6. Juli 2026 eröffnet und am 8. Juli 2026 erfolgreich abgeschlossen. Er stand unter dem Motto „B³: Beobachten – Beurteilen – Befähigen“ und wurde in Kooperation von der Pädagogischen Hochschule Steiermark und der Privaten Pädagogischen Hochschule Augustinum veranstaltet.

Die Entwicklung von Kindern in der Grundschule ist ein komplexer und dynamischer Prozess, der sich unter anderem durch soziale, emotionale und kognitive Veränderungen auszeichnet. Pädagog*innen stehen vor der Herausforderung, diese Entwicklungs- und Lernprozesse zu beobachten, angemessen zu beurteilen und Schüler*innen auf vielfältige Weise zu befähigen. Im inhaltlichen Zentrum des Grazer Grundschulkongresses 2026 stehen einerseits die Thematiken Beobachten, Beurteilen und Befähigen in ihrer je eigenen Disziplin, andererseits die interdisziplinären Perspektiven, die neue Erkenntnisse und Reflexionen zu den hier angeführten Begriffen ermöglichen. Nachdem die Zukunft wenig vorhersehbar oder planbar ist, erfordert jegliche Beschäftigung mit dieser Thematik ein Zusammenspiel von Reflexion und Prognostik. Gesichert ist, dass die Transformationen, die unser Leben aktuell bestimmen, einzigartig in ihrer Geschwindigkeit und in ihrem Ausmaß sind und große Veränderungsbereitschaft und Flexibilität einfordern; Lebens- und Lernbedingungen entwickeln sich in ihren Voraussetzungen und Gestaltungsoptionen in einer kaum zu überblickenden Fülle. Diesem Spannungsfeld widmete sich der 5. Grazer Grundschulkongress 2026.

Nach der musikalischen Eröffnung gestaltet von SUPERAR eröffneten Frau Rektorin Dr.in Beatrix Karl (PH Steiermark) und Frau Rektorin Dr.in Andrea Seel (PPH Augustinum) den Kongress. Verteilt über die drei Tage nahmen rund 250 Personen am Kongress teil. Die einzelnen Kongresshalbtage wurden von vier Keynotes begleitet, die einen  multiperspektivischen Zugang zum Kongressthema eröffneten:

Zum Auftakt setzte Prof. (i.R.) Dr. Petra Hüttis-Graff von der Universität Hamburg einen deutlichen Akzent: Beobachten ist eine zentrale didaktische Kompetenz .  In ihrer Keynote zeigte die Hamburger Sprachdidaktikerin anhand einer Unterrichtsszene aus dem Deutschunterricht, wie eng Beobachtung, soziale Interaktion und Lernprozesse miteinander verwoben sind. Hüttis-Graff hob die Bedeutung der eigenen Haltung hervor – besonders dann, wenn Beobachtungen irritieren oder Erwartungen widersprechen. Ihr Plädoyer: Lehrpersonen müssen offen bleiben, Alternativen denken und Beobachtungen gemeinsam reflektieren. Denn gerade in solchen Momenten entstehen neue Perspektiven auf Lernverhalten und Ressourcen. Beobachtung, so Hüttis-Graff, ist ein Motor für guten Unterricht – von der Planung über die Durchführung bis zur Reflexion.

Prof. Dr. Clemens Hillenbrand von der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg verdeutlichte im Vortrag „Kinder beobachten – Lernen begleiten“, dass sozial‑emotionale Kompetenzen die Grundlage erfolgreichen Lernens in der Grundschule sind. Im Zentrum stand die ressourcenorientierte Beobachtung, die nicht nur Verhalten erfasst, sondern Potenziale sichtbar macht. Lehrkräfte können positive Entwicklungen präzise erkennen und gezielt fördern. Der Vortrag zeigte praxisnah, wie evidenzbasierte Strategien im Schulalltag eingesetzt werden können, um sozial‑emotionale Kompetenzen zu stärken und herausforderndem Verhalten vorzubeugen. Entscheidend sei eine Lernumgebung, die Kinder wertschätzend begleitet und Lehrkräften Sicherheit im Umgang mit heterogenen Gruppen gibt.
Das klare Ziel: Verhalten neu deuten, Stärken bewusst suchen und mit wissenschaftlich fundiertem Wissen die sozial‑emotionale Entwicklung wirksam unterstützen.

Prof. Dr. Lukas Donner von der Georg-August-Universität Göttingen stellte eine zentrale Leitfrage des Mathematikunterrichts in das Zentrum seines Vortrags: Was heißt es eigentlich, Schüler:innen zum mathematischen Denken zu befähigen? Es geht darum, Kindern einen spezifischen Zugang zur Welt zu eröffnen – mit Theorien, Begriffen, Werkzeugen und Methoden der Mathematik. Der Vortrag richtete den Blick bewusst auf den Übergang von der Primarstufe in die Sekundarstufe. Anhand von Aufgaben aus Mathematikwettbewerben wurde gezeigt, wie sich typische Denkprozesse entfalten und welche Kompetenzen dafür notwendig sind. Der Vortrag machte deutlich: Mathematisches Denken entsteht nicht zufällig. Es braucht systematische Förderung, kluge Aufgabenstellungen und einen Unterricht, der Kinder Schritt für Schritt an die Denk- und Arbeitsweisen der Mathematik heranführt.

In ihrer Keynote rückte Prof.in Dr.in Julia Holzer, BEd BSc MSc , die Frage in den Mittelpunkt, welche Bildungsziele in einer von Krisen und Unsicherheit geprägten Welt wirklich tragen. Unter dem Leitbegriff 21st Century Education plädierte sie für ein Bildungsverständnis, das weit über Fachwissen hinausgeht und die ganzheitliche Entwicklung von Kindern betont. Besonders die Primarstufe wurde als entscheidende Phase hervorgehoben: Hier entstehen Grundlagen für Selbstwirksamkeit, psychosoziale Gesundheit und lebenslanges Lernen. Sozial‑emotionale, kognitive und motivationale Ressourcen gelten dabei als Schlüssel, um Kinder zu stärken und ihnen zu ermöglichen, Herausforderungen konstruktiv zu bewältigen. Der Vortrag zeigte, wie Unterricht als Entwicklungsraum gestaltet werden kann – mit Fokus auf metakognitive Fähigkeiten, selbstreguliertes Lernen, ein positives akademisches Selbstkonzept und sozio‑emotionale Kompetenzen. Fachliche und überfachliche Ziele wurden als sich gegenseitig verstärkend beschrieben. Deutlich wurde auch die Rolle moderner Lehrpersonen: vernetzt, multiprofessionell und kooperativ. Die Botschaft der Keynote: Zeitgemäße Bildung gelingt nur, wenn Schulen Kinder nicht nur unterrichten, sondern sie in ihrer gesamten Entwicklung begleiten und stärken.

Der Dank ergeht an alle Vortragenden, Präsentator*innen, den Mitgliedern des Kongressbeirates sowie allen Personen, die sich für Call für die Teilnahme am Kongress und am Tagungsband zur Verfügung gestellt haben. Weiters gilt unser Dank jenen Personen, die uns organisatorisch und technisch unterstützt haben an der PPH Augustinum als auch an der PH Steiermark.
Besonders danken wir:

Dr. Williams Tsamo Fomano, Universität Yaoundé I, Kamerun
Kongressleitung IL HS-Prof. Dr. Christian Brunnthaler, PPHA
VR HS-Prof.in Dr.in Regina Weitlaner, PHSt
Kongressleitung IL Prof.in Silvia Kopp-Sixt, BEd MA, PHSt
VR Prof.in Mag.a Elisabeth Amtmann, PHSt
RgR Dipl.-Päd.in SQM Elisabeth Traxler-Turner in Vertretung von Frau Bildungsdirektorin Elisabeth Meixner, BEd, Bildungsdirektion Steiermark
Rektorin RgR  Mag.a Dr.in Andrea Seel, PPHA
Prof. Dr. Clemens Hillenbrand Carl v. Ossietzky Universität Oldenburg | Deutschland
Prof.in (i.R.) Dr.in Petra Hüttis-Graff | Universität Hamburg | Deutschland
Rektorin ao Univ.-Prof.in Dr.in Beatrix Karl, PHSt
Frau Klubobfrau Mag.a Sahar Mohsenzada in Vertretung von Frau Bürgermeisterin Elke Kahr
Herr LAbg. StR Luca Geistler in Vertretung von Herrn Landesrat Mag. Stefan Hermann, MBL
VR HS-Prof.in DDr.in Renate Straßegger-Einfalt
VR HS-Prof.in Dr.in Renate Wieser
Kongressleitung IL HS-Prof.in Dr.in Katharina Ogris
Kongressleitung Prof. Jakob Kelz, PHSt


Kontakt Kongressleitungsteam:
ggsk.ppha@phst.at
www.ggsk.at